SIMON MEHLING

Rauminspektion

26.09. – 12.11.2026

Rauminspektion
SIMON MEHLING

Simon Mehling sammelt für seine Skulpturen gebrauchte Materialien, die mit Bau und Konstruktion zu tun haben. Holzpaneele, Planen, Gläser, Armierungseisen, Betonplatten und diverse Bleche fügt er zu einer Collage zusammen. Jedes Teil bleibt in seiner Materialiät
sichtbar erhalten. Dieses von Menschenhand gemachte zumeist industrielle Material fügt er zu einer skulpturalen Ganzheit zusammen. Er entwickelt aus den gegebenen Einzelformen eine neue, ungewohnte Großform. Heterogenität und Homogenität stehen sich in einem
gleichsam dialektischen Verhältnis gegenüber, sind simultan gegeben. Der Selbstausdruck des Materials wird keineswegs ausgelöscht. Vielmehr entsteht eine Ganzheit in der Vielheit.

In den sichtbaren Gebrauchspuren bleibt immer ein historisches Moment erhalten. Der Künstler verwendet dieses Material nicht nur einmalig für einzelne abgeschlossene Werke, sondern er gebraucht es immer wieder für neue Werke. Das Recycling findet so innerhalb der künstlerischen Produktion selbst statt. So wird das einmal ausgeführte Werk wieder auseinandergenommen und in seine Bestandteile zerlegt und platzsparend gelagert. Die Kunst verwandelt sich zurück ins reine Material. Der Wechsel der Erscheinungsform des Materials vom Billigen zum Wertvollen und zurück zum Billigen bedeutet immer auch einen Bedeutungswechsel. Es entwickelt sich ein künstlerisches Handlungskonzept, das zwischen den Sphären des Ökonomischen und des Ästhetischen vermittelt, zwischen dem Realismus des Materials und der Abstraktion der Form.

Erst durch den Formwillen und die Formschaffung wird das Material zum autonomen Werk. Es entsteht eine Spannung zwischen Präzision und Unschärfe, Eindeutigkeit und Vielschichtigkeit, Schönheit und Verfall. Dabei hat das Kunstwerk eine klare, abgrenzbare Präsenz.
Es behauptet seine Autonomie deutlich gegenüber dem umgebenden Raum und jeglichem Aufstellungsort.

Hinzu kommt ein architektonisches Moment. Das plastische Gebilde ist nicht nur Konstruktion aus geometrischen Grundformen. Zugleich ist ein Innenraum umschrieben, der sich gelegentlich durch kleine Öffnungen zeigt oder durch eine Folie der Sichtbarkeit entzogen wird und doch auf ein Dahinter verweist. Das Werk wird zu einer Behausung. Kaum ein größerer Kontrast zur Erhabenheit des Kirchenraumes von St. Georgen ist vorstellbar. Aber die Fremdartigkeit dieser zusammengezimmerten Objekte ohne Funktion zeigen sehr deutlich den Gestaltungswillen des Künstlers. Dies macht die Werke dem historischen Kirchenraum bei aller Differenz ebenbürtig.

Simon Mehling ist Absolvent der Kunstakademie Münster und Meisterschüler von Maik und Dirk Löbbert. Er lebt und arbeit in Wuppertal.

Texte und Fotos: Prof. Dr. Ferdinand Ullrich

Eröffnung der Ausstellung: Freitag, 25. September 2026 um 17 Uhr
Eintritt frei

Dauer der Ausstellung: 26. September bis 12. November 2026

Öffnungszeiten:
26.09.–31.10.2026: 10:00–18:00 Uhr
01.11.–08.11.2026: 10:00–16:00 Uhr

Kurator: Prof. Dr. Ferdinand Ullrich

Veranstalter: Hansestadt Wismar · Amt für Tourismus und Kultur

Die Ausstellung wird gefördert durch das Land Mecklenburg-Vorpommern und den Landkreis Nordwestmecklenburg.